Ich kann die Auffassung, dass die Haltung einer Einzelkatze in der Wohnung Quälerei sei, wirklich nicht nachvollziehen. Sowohl aus eigener Erfahrung als auch aus der Beobachtung und Erzählung aus anderen Haushalten kann man durchaus auch zu anderen Schlüssen kommen.
Ich kann auch keinen „Beweis“ darin erkennen, dass es in einigen Haushalten klappt. In anderen klappt es dafür eben nicht.
Meine früheren Katzen (sind leider schon tot) habe ich als kleine Katzen mit ca. 15 Wochen bekommen, ein Geschwisterpaar Mieze und Kater. Der Kater war leicht behindert und wurde immer von der Mieze dominiert. Als junge Katzen haben sie natürlich zusammen gespielt und auch immer wieder zusammen gekuschelt – auch im Alter noch. Aber mit zunehmendem Alter hat die Mieze durchaus ihre Launen an dem Kater ausgelassen und das war für ihn sicher nicht nur schön. Sie starb ungefähr ein 1 Jahr vor ihm und er ist in der restlichen Zeit direkt nochmal „aufgeblüht“. Wir haben uns schon damals sehr kritische Gedanken über die „Zweierhaltung“ gemacht.
Die Katze (Alleinhaltung) die wir jetzt haben, ist auch nur bei uns, weil sie in ihrem Haushalt immer wieder und immer aggressiver von ihrem Bruder angefallen wurde und daher dort dann nicht mehr bleiben konnte.
Beide Katzen haben sich nach der Trennung übrigens nochmal ganz anders in ihrem Wesen entwickelt; der Kater, jetzt auch alleine, ist ein sanftes Schmusekätzchen geworden und die Mieze eine kleine Diva.
Wenn man sich so mal bei anderen Katzenhaltern mit 2 (oder mehr) Katzen herumhört, hört man durchaus öfter Sätze wie: Er/sie ist dominant, wenn Peter auf dem Kratzbaum sitzt und er kommt, dann muss Peter schon weichen. Oder: Der Kater ist dominant, da hat die Mieze nichts zu melden, aber er hat öfter eine Blasenentzündung, dann geht es ihm nicht gut und dann wird er dann von der sonst unterlegenen Mieze attackiert.
Das sind oft nur gelegentliche Situationen, aber wer sagt eigentlich, dass sich die unterlegene Katze damit wohl fühlt und nicht doch lieber alleine wäre, wenn sie wählen könnte. Wie kann man das sicher wissen ?
Und was die „Quälerei“ betrifft, dann kann das durchaus auch die Zweiterhaltung in einer Wohnung sein, da sich die Katzen hier – anders als Freigänger – nicht aus dem Weg gehen können und irgendwie zusammen zurecht kommen müssen. Ob sie nun wollen oder nicht. Und eine unterlegene Katze kann durchaus unter permanentem Stress stehen.
Und man muss ja auch immer die weiteren Umstände und Alternativen mit einbeziehen.
Unsere jetzige Katze konnte in ihrem Haushalt nicht bleiben. Der Versuch, den Kater in eine Freigängerhaltung zu vermitteln, damit sie zurück konnte, hatte keinen Erfolg. Also musste eine Alternative gefunden werden – in diesem Fall unsere Wohnung mit zwei Menschen, die voll berufstätig sind und sie den ganzen Tag alleine ist. Aber sicher immer noch besser als das Tierheim oder in einer Wohnung mit ständiger Bedrohung.
Und für die meisten Tiere im Tierheim oder in einer Vermittlung ist sicher selbst eine kleinere Wohnung noch besser als ihr vorheriges Dasein.