OK, mit kranken Katzen hab ich jetzt ja auch etwas Erfahrung 🙈, also hier meine Tipps:
Für die Gabe von Antibiotika, Augentropfen, Salben im Gesichtsbereich und Ohren: Schnapp dir eine "kleine" Sporttasche, setz das Katzentier 4-5x am Tag rein und zipp sie zu, so dass nur der Kopf raus schaut. Leckerlie (fertige Pasten sind super, aber falls das nicht gut vertragen wird, ist passiertes, gekochtes Fleisch mit etwas Sud zur Paste verarbeitet eine gute Alternative) in die Katze, wieder frei lassen. 2-3x kommt Leckerlie - Medikamente - Leckerlie. Der Tipp mit der Tasche kommt vom Tierarzt, wir verwenden allerdings eine Decke zum einwickeln. Ist zum Zähne putzen und einschmieren besser, weil ich sie auf den Rücken legen muss 🥴😅.
Für die Augen: Kochsalzlösung in kleinen Ampullen ist eine Top-Unterstützungs-Möglichkeit! Erkundige dich aber beim Tierarzt, oft muss ein gewisser Abstand zur Gabe vom Medikament eingehalten werden, weil das Medikament sonst raus gespült wird! Ich kann Euphrasia bei Kindern sehr empfehlen, bei den Katzen hab ich es nie verwendet. Und warte nicht zu lange, unser Kater hätte fast ein Auge verloren, und mir war das Risiko absolut nicht bewusst! Hat nicht so schlimm ausgeschaut wie es wohl offensichtlich war.
Zwecks Durchfall: Du kannst ihnen zu jeder Fütterung AUßER zur Medikamentengabe (ich glaube 4 Stunden vorher und nachher ist die Frist) Flohsamen ins Nassfutter mischen. Die ganzen Körnchen, nicht die Schalen (bekommst du in der Apotheke nach Gramm). Ein Teelöffel mit ca. 6 EL heißem Wasser übergießen, 2-3 Stunden quellen lassen, den ganzen Tag verteilt immer wieder ein bisschen was (Flüssigkeit und Körnchen) ins Futter mischen. Das schützt die Magenschleimhaut und hilft ein bisschen gegen den Durchfall. Ist eher ein Langfristprojekt und mach es nicht gleichzeitig mit anderen Medikamenten. Auch gekochte Karotten können helfen, musst du halt testen, ob sie das mögen.
Was deine Nerven angeht:
Ich habe 3 (relativ) junge Kinder. Mir war klar, wie anstrengend das wird. Ich war gut vorbereitet. Dachte ich! Im Endeffekt ist es wie ein Dauerlauf gegen zähen Schleim - für jeden Schritt vorwärts, mach ich oft 2 zurück. Ich bin - trotz Familie, die die Katzen eigentlich wollten - allein mit der Verantwortung. Niemand außer mir gibt Medikamente oder weiß auch nur, was sie brauchen. Niemand außer mir schreibt ihren (extrem komplizierten) Diätplan mit, und überlegt sich, was sie zu fressen bekommen sollen, und besorgt die speziellen Sachen die sie brauchen. Ich wiege sie, ich bürste sie, ich füttere sie, mach ihr Klo, entscheide was ich für sie kaufe, ich reguliere, wer wann was mit ihnen macht, vereinbare Tierarzttermine, kontrolliere Ohren, Augen, Schleimhaut, Zähne, Pfoten. ABER ich habe kein schlechtes Gewissen wenn ich sie Nachts aus dem Bett werfe, wenn sie randalieren! Sie raufen leidenschaftlich gern auf meinen Beinen, aber inzwischen wissen sie: Hier ist eine Grenze, in der Nacht ist Lärm im Bett sowas von Tabu! 1 Woche hab ich sie in ein Zimmer eingesperrt (mit Futter, Wasser, Kratzbaum und Spielzeug) in der Nacht, weil sie an den Türen gekratzt haben, aber wenn die Türen offen waren, haben sie die Kinder attackiert (unter der Decke die Füße gefischt und gekratzt und gebissen), seit dem hab ich alle 2-3 Wochen mal Radau - dann steh ich kurz auf, geh raus, sie rennen ganz begeistern nach, ich schließe die Tür, geh aufs Klo und geh wieder ins Bett (ohne Katzen) - dann ist wieder für 2-3 Wochen Ruhe.
Vergiss nicht, auch wenn du sie als Babys betrachtest: Sie sind kluge, selbstbewusste Tiere mit ihrem eigenen Lebensrhythmus - sie sind nicht von dir abhängig, sie sind von Futter, Wasser und medizinischer Versorgung abhängig, alles weitere ist ein wunderbares Plus, aber NICHT überlebensnotwendig. 24 Stunden Liebe und Aufmerksamkeit ist sicher herrlicher Luxus, aber nicht nötig. Sie sind deine Mitbewohner, und ihr müsst euch aneinander anpassen. Sie an dich, du dich an sie. Hab keine Skrupel, immer noch Bedürfnisse zu haben!! Denk an deine Beziehungen zu PartnerInnen zurück: Da muss auch jede/r seine Bedürfnisse auf den anderen angleichen. Einer liebt einen bestimmten Duft, der andere hasst ihn - dann muss ein Kompromiss her. Einer schläft am besten bei Licht, der andere nicht - Kompromiss! Und so ist es bei deinen Katzingers auch: Finde Kompromisse, aber gib dich nicht auf!
Tu dir Gutes, mach dir keine Sorgen um die Katzen - sie haben es warm, sicher, gemütlich, sind versorgt und haben einander. Und wenn du Zeit und Lust hast, bist du für Extra-Kuscheleinheiten da. Sonst eben nicht! Das ist OK! Du darfst auch mal keine Nähe wollen, notfalls gehst du eine Stunde spazieren! Wenn dich der Geruch vom Katzenfutter stört, besorgen dir so einen luftdichten Futterautomaten, der sich bei Annäherung öffnet. Wenn dich der Geruch vom Katzenstreu nervt, besorg dir andere Streu die besonders geruchsbindend ist.
Das sind übrigens großteils Tipps die auch für Eltern gelten 😅😉. Wenn du es brauchst, frag eine Freundin oder einen Freund, ob er oder sie mal 2 Tage zu Besuch kommt und ihr verbringt einfach gemeinsam Zeit neben den Katzen - weil auch wenn sie ähnlich abhängig sind wie Kinder, sie sind keine Menschen, und du solltest sie nicht wie deine Kinder behandeln. Sie werden dir ans Herz wachsen, sie werden dir wichtig sein, aber sie werden (im Gegensatz zu Kindern) nie aus ihrer Rolle raus wachsen: Sie bleiben Kater, mit ziemlich genau diesen (katzentypischen) Ansprüchen, aber ohne je erwachsen zu werden. Das ist wichtig, dass du dir das bewusst machst: Katzen alleine sollten nicht den Anspruch erfüllen müssen, deine Partner/Kinder/Freunde zu sein. Damit machst du euch alle unglücklich. Vergiss nicht: Kinder werden Älter, wachsen, lernen, werden unabhängiger, brauchen dich irgendwann weniger zur Versorgung, sondern mehr als Rückhalt. Kater bleiben wie sie sind. Deshalb richte dir das Leben von vornherein so ein, dass du es für die nächsten 12 Jahre (sofern sie im Idealfall 20 werden) gut aushalten kannst. Natürlich kannst du jederzeit adaptieren, aber warum jetzt leiden? Sie sehen sich nicht als Opfer mit Trauma - sie sehen sich als erwachsene, kluge Wesen, und sie sind Oportunisten 😉. Sie nehmen was sie kriegen. Also zieh deine Grenzen. Wenn wie wo nicht hin sollen, ist es OK, die Welt da draußen ist auch nicht grenzenlos! Wenn du mal Streit mit ihnen hast, mach dir bewusst, dass das zur Abgrenzung und aneinander anpassen einfach dazu gehört.
Für mich klingt es, als würdest du versuchen, dich für sie und ihre 100%ige Sicherheit aufzugeben - und obwohl ich das sehr gut nachvollziehen kann (ich muss das für die 3 zweibeiningen Zwerge durchaus manchmal tun), kann ich dir auch aus Erfahrung sagen: Auf Dauer hält das Keiner durch! Finde einen Mittelweg, der dich GLÜCKLICH macht, und den Katern ein nettes, sicheres Zuhause mit viel Liebe, Geduld und Sicherheit bietet. Ohne den Anspruch, alles perfekt machen zu können, wollen oder müssen.
Und wenn ich das in meinem Chaos hier schaffe, schaffst du das locker auch! Ich bin weiß Gott keine Superwoman 😅🙈. Du wächst an den Herausforderungen, und du lernst jeden Tag etwas dazu. Gib nicht auf, sei für dich da, genieße die schönen Seiten, mach dir bewusst, dass du auch Rechte und nicht nur Pflichten hast und hab ein wunderbares Leben mit deinen Rabauken!
PS.: Wir mussten mit meiner Babytochter mal 3 Monate lang inhalieren - wir dachten, das geht nie, aber ging auch! Also hab Mut!